
Das Radonproblem
Der Mensch ist ständig einer Strahlenbelastung aus natürlichen Strahlenquellen ausgesetzt. Insbesondere in Boden, Gesteinen und Baumaterialien sind natürliche radioaktive Stoffe (z.B. Uran, Thorium und Radium) enthalten, wobei aus Radium das besonders mobile radioaktive Edelgas Radon entsteht. Das gasförmige Radon gelangt über Porenräume in die Freiluft, in Gebäude bzw. löst sich im Grundwasser auf und ist somit allgegenwärtig.
Radon ist in allen Häusern und somit allen Wohn- und Aufenthaltsräumen in unterschiedlichen Konzentrationen messbar. Der Jahresmittelwert der Radonkonzentration beträgt in Wohnungen etwa 50 Bq/m3 (pro Kubikmeter Luft zerfallen jede Sekunde 50 Atome des radioaktiven Edelgases Radon). In einigen Regionen wurden in Wohnungen Einzelwerte von weit mehr als 10.000 Bq/m3 festgestellt.
Radon in Gebäuden
Als gesichert galt bis Anfang 2004, dass Radonkonzentrationen über 1.000 Bq/m3 bei Dauerexpositionen in zunehmenden Maße Lungenkrebs verursachen können. Nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zeigen bereits Werte oberhalb 150 Bq/m3 eine nachweisbare Erhöhung der Lungenkrebsrate infolge Radon. Nach dem Rauchen ist Radon die häufigste Ursache für die Erkrankung an Lungenkrebs.
Der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit stellt fest, dass Radon in Gebäuden nach dem neuesten Erkenntnisstand das höchste umweltbedingte radiologische Risiko darstellt. Im Vergleich zu anderen Bereichen, in denen ionisierende Strahlen auftreten, ist nach Einschätzung des BMU die Zahl von Neuerkrankungen an Lungenkrebs vergleichsweise exorbitant.
Im Ergebnis von Sanierungs- bzw. Modernisierungsmaßnahmen mit dem Ziel der effizienteren Nutzung von Energie in bestehenden Objekten können deutlich höhere Werte der Radonkonzentration resultieren als vor Baubeginn, wenn das Radonproblem bei der Projektierung dieser Maßnahmen nicht beachtet wird. Es ist erwiesen, dass sich die Radonkonzentration in Folge der Verringerung der Luftaustauschrate in Gebäuden in etwa der Hälfte der Fälle um den Faktor 2 bis 8 nach Modernisierungsmaßnahmen erhöht.
Auch beim Neubau von Gebäuden muss angestrebt werden, Jahresmittelwerte der Radonkonzentration in Wohn und Aufenthaltsräumen über 100 Bq/m3 zu vermeiden. Zu diesem Zweck sind bereits bei der Erstellung der Bodenplatte von Neubauten in Radonverdachtsgebieten zusätzliche Maßnahmen erforderlich, da insbesondere in diesen Regionen der Radoneintrag über den Untergrund in das Gebäudeinnere besonders hoch sein kann. Zur Reduzierung möglicher Zusatzkosten bieten sich im Vorfeld des Neubaus eines Gebäudes Messungen der Radonkonzentration in der Bodenluft in einem Meter Tiefe des Baugrundes an.